Zum Münchner Viktualienmarkt im Herbst

Ein reiches Angebot an frischen Lebensmitteln im Herzen der Stadt

Kürbis, Physalis, Gräser - Elke A. Sommer
Kürbis, Physalis, Gräser - Elke A. Sommer
Überall Kürbisse, Physalis, Gräser und freie Plätze im Biergarten. Hier findet man tolle Anregungen für die Küche und auch Geschenke.

Der Stand mit den Trockengestecken verströmt wieder den Duft von Nelken, Zimt und Orange. Pilze aller Art werden angeboten, Beerenkränze, Kiefernzweige. Das Blattdach überm Biergarten lässt im Herbst mehr Licht und Sonne durch, und die Menschen darunter sind jetzt, nach dem Oktoberfest, wieder münchnerisch gelassen. Die Stadt entschleunigt, besinnt sich, bevor ganze Heerscharen von Nikoläusen und verstopfte Straßen ihren Bewohnern erneut die Ruhe raubt.

Zwischen Oktoberfest und Christkindlmarkt

Von allem gibt es in dieser kurzen Zeit ein bisschen weniger. Befreit von den pseudobayerischen Gewändern trägt die Stadt wieder Tracht, Jeans, Anzug. Statt des atemlosen Treibens derer, die auch den Viktualienmarkt noch schnell mitgenommen haben, abgehakt auf ihrer Sightseeing-Tour-List, wird wieder geschlendert. Radl werden in aller Gemütsruhe über den Platz geschoben. Porree- und Selleriestangen recken ihr Grün aus Fahrradkörben. Alte Damen ziehen Wägelchen mit dem heutigen Einkauf hinter sich her: 4 Eier, 1 Filet vom Lamm, Thymian, 150 Gramm Bohnen, 1 Pfund Kartoffeln. Bis Morgen, Frau Angermoser, sagt die Marktfrau und lacht, lassen Sie es sich schmecken. Jungvolk mit Rucksack genehmigt sich dicke Saure Gurken und nimmt für die abendliche Brotzeit daheim eingelegte Oliven mit, Schafskäse mit Kräutern, gefüllte Champignons. Man kann wieder schauen, ohne angerempelt, umgerannt, mit geschoben zu werden. Die Schlange vor der "Nordsee" ist kaum mehr der Rede wert. Die Mägen sind halt wieder stabiler mit den obligatorischen zwei, drei Halben intus. Im Biergarten mit den 1000 Sitzplätzen trifft man sich, Viktualienmarkt, Abteilung 4, gleich unterm Maibaum. Fisch sitzt da neben Leberkas, Schweinswürstl neben Zwetschgendatschi, Bier neben Kaffee. Fast wie auf der Wies´n, nur eben gemütlicher.

Schrannenhalle, Buden, Stände

Der Schrannenplatz ist, salopp ausgedrückt, die Dependance vom Marienplatz. 1807 war dieser als Markt für Getreide und sonstige Agrarerzeugnisse zu klein geworden, und so ließ König Max I. Joseph die Häuser zwischen Heiliggeist-Kirche und Frauenstraße kurzerhand abbrechen. Das Wort "Viktualien", spätlateinischer Ausdruck für Lebensmittel, erstand erst, als sich dieser Bauernmarkt ganz allmählich zum Feinschmeckermarkt wandelte. Auf einer Gesamtfläche von 22.000 m² werden von 140 Firmen Blumen und Pflanzen, Obst, Gemüse, Südfrüchte, Wild und Geflügel, Eier, Butter, Honig, Fisch sowie Fleisch- und Wurstwaren zum Verkauf angeboten. Seit 1975 ist der Viktualienmarkt reine Fußgängerzone, ein Ort der Begegnung und der Beschaulichkeit. Sechs Brunnen stehen dort zum Gedenken an unsere bayerischen Volkssängerinnen und Komikern: an Karl Valentin, Weiß Ferdl, Liesl Karlstadt, Ida Schuhmacher, Elise Aulinger und an den Roider Jackl.

Wenn Sie einen Ausflug zum Viktualienmarkt unternehmen, sollten Sie das unbedingt mit leerem Magen tun. Wie sollten Sie sonst zwei, drei Halbe trinken, und das Schaschlik testen, und beim Fisch-Witte eine Semmel mit Krabben, und den Stilfser Käse mit dem Rotwein? Oder wollen sie bei jedem `Möchten Sie Probieren?´ tatsächlich den Kopf schütteln?

Elke A. Sommer, Elke A. Sommer

Elke A. Sommer - Elke A. Sommer ist 1956 in Hochstadt am Main geboren. Nach dem Abitur im Jahr 1979 Studium der Germanistik und Geschichte in München, ...

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